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... auffallend anders!

Am Anfang war das Wort - eines Musiklehrers, dessen Hobby es war, eigene Texte und Melodien zu Papier zu bringen. Dieser Musiker versprach dem Rektor seiner Schule, auf dem Schulfest etwas Besonderes zu bieten. So geschah es im Jahre 1991 in Alfter-Oedekoven, daß der Evergreen-Chor Bonn ins Leben gerufen wurde.

Seither ist vieles passiert, und nichts erinnerte mehr an die Ursprünge, wenn da nicht dieser geheimnisvolle Funke (Frinke?) der Begeisterung wäre, der eine muntere Truppe von ca. 25 Sängerinnen und Sängern im Alter von 21 bis 74 Jahren jeden Dienstag abend zusammenführt, um gemeinsam die für sie "schönste Musik, die es gibt" zu intonieren. Es sind Evergreens, Oldies, Ohrwürmer - eben all jene alten Klamotten, die fast jeder kennt, gerne hört und spontan mitsummen kann.

Die ewig jungen, alten Evergreens von anno dazumal, die dem Chor seinen Namen gegeben haben, sind auch Programm. "La Mer", "Blue Moon", "Oh, Lady, be good" und die frivole deutschsprachige Variante "Was will denn bloß der Otto von dir?!" gehören eindeutig zu den Publikumslieblingen. Klassiker wie z. B. "Veronika, der Lenz ist da" und "New York, New York " sind im Repertoire des Chores ebenso fest verwurzelt wie Oldies à la "When I'm sixty-four" von den Beatles und flockige Schlagermelodien, wie „Laß’ mich dein Badewasser schlürfen", „I can’t give you anything but love", Lollipop" oder Grönemeyers "Männer". Aus immer wieder aktuellem Anlaß werden auch Gospels und Spirituals sowie moderne Kirchenlieder geprobt, die oft bei der musikalischen Gestaltung von Hochzeitsfeiern gefragt sind.

Eine besondere Note, die dem Geiste des tödlich verunglückten Gründervaters Uwe Frinke entspricht, klingt im integrativen Ansatz an, den diese Chorgemeinschaft verfolgt. Waren es zunächst AussiedlerInnen, vornehmlich aus Kasachstan, um die sich der Chor besonders bemühte, so hat sich das Gewicht inzwischen etwas in Richtung auf andere Randgruppen verschoben, was nicht unwesentlich daran liegt, daß der Chor seit einigen Jahren im Gustav-Heinemann-Haus in Bonn-Tannenbusch seine Proben abhält. Das Heinemann-Haus wird vom Förderverein Stiftung Haus der Behinderten getragen, und so ist es kein Zufall, daß im Evergreen-Chor auch Behinderte Sitz und Stimme haben. Dennoch handelt es sich um keinen Behindertenchor. Der unbefangene Umgang, der im Evergreen-Chor gepflegt wird, sorgt für eine angenehme, warme Atmosphäre, die nach außen hin in einer Offenheit erkennbar wird, von der sich Behinderte wie Nichtbehinderte, AusländerInnen, AussiedlerInnen, Zugereiste und natürlich auch Einheimische angesprochen fühlen.

Gemeinschaft wird im Evergreen-Chor groß geschrieben. Deshalb sparen wir uns an dieser Stelle auch Aufzählungen großer Konzerte und erfolgreicher Auftritte. Wir finden es vergnüglicher, von musikalischem Schabernack zu berichten. Da war z.B. das Ostpreußentreffen, bei dem wir uns ganz spontan eine Einlage erschlichen haben, indem wir steif und fest behaupteten, einer der Anwesenden hätte uns als Überraschung bestellt. Oder der große Ball, auf dem die Gäste verladen wurden, indem wir so taten, als kennten wir einander nicht und könnten "einfach so" mehrstimmig flotte Lieder vom Blatt singen. Oder das mitternächtliche Geburtstagsständchen bei einer uns bis dahin unbekannten Dame, die inzwischen keine Probe ausläßt. Das letzte Beispiel sei als Empfehlung an Chöre verstanden, die Nachwuchsprobleme haben.

Der Evergreen-Chor Bonn ist, es läßt sich nicht leugnen, ein bißchen anders als die anderen. Ein bißchen peppiger, ein bißchen bunter, ein bißchen schräger - und wir sind stolz darauf!


Dorothée Schwolgin